Thauwetter. Regennacht. 289
eine öde Waſſerwüſte vor mir, in der jede Fußſpur zu⸗ ſammenfloß.
Jetzt war guter Rath theuer; die einbrechende Nacht jedoch überhob mich allen weiteren Verlegenheiten, denn die Dunkel⸗ 5* heit ſowohl, als der niederſtrömende Regen tiüberzeugten mich 1 3 daß, für dieſen Abend wenigſtens, weiter Nichts zu thun ſei. An ein Feueranmachen war gar nicht zu denken, und ich 2 kauerte mich unter einen halbumgeſtürzten Baum nieder, der mich wenigſtens etwas vor den tollen Regengüſſen ſchützte. Zwar hatte ich noch ein Stück gebratenes Wildpret in der Taſche, aber keinen Appetit es zu verzehren, und verbrachte f 4 auf dieſe Art höchſt elend und vor Froſt zitternd die Nacht. 4³
Die Wölfe ſchienen dort ganz zahm zu ſein, denn einzelne kamen oft auf wenige Schritte zu mir heran und heulten Mitleid erregend. Ich war aber gegen Alles ſo abgeſtumpft, daß ich nicht einmal mein Meſſer aus der Scheide zog, hätte ich mich ja doch bewegen müſſen. Ueberdieß ſchien mir in meinem damaligen Zuſtande ſchon der Gedanke, von Wölfen ein wenig warm geſchüttelt zu werden, eine ordentliche Er⸗ holung. Kein Auge ſchloß ich dieſe Nacht und harrte ſehn⸗ ſüchtig des erſten Tagesgrauens, das endlich langſam und trübe durch den dunklen Wald ſchimmerte.
Der Regen hatte aufgehört, und nur noch ein feuchter, dünner Nebel lag auf dem Sumpfe. Ich ſchnitt mir ein Stück Fleiſch ab, ſtreute, da mein Salz ganz verbraucht war, etwas Pulver darauf und verzehrte es kalt und trocken, wie es war Es gab vielleicht in damaliger Zeit wenig Menſchen, die
mehr und entſchiedener jagdtoll geweſen wären wie ich, man Gerſtäcker, Streif⸗ u. Jagdzüge. I. 19


