Teil eines Werkes 
1. Bd. (1856)
Entstehung
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Seekrankheit. 17

Menge Juden, mit wenigen Ausnahmen, aus der niedrigſten Claſſe an Bord. Dieſen Leuten war nun von ihrem Rabbi⸗ ner das Speckeſſen während der Reiſe erlaubt(ſo behaupteten ſie wenigſtens), und den meiſten hatte der ſchöne ſüße Speck, den wir bekommen, ſo gut gemundet, daß ſie ſich die Magen, wenn nicht überladen, doch wenigſtens vollgefüllt hatten. Die Strafe folgte auf dem Fuße da war kein Winkel auf dem ganzen Schiffe, in dem nicht ein Seekranker mit ſeinem zinnernen Eimerchen ſaß, oder ſich verzweifelnd über Bord lehnte und kläglich der See ſein Opfer brachte.

Glücklicher Weiſe blieb ich ſelber, mit H. und dem Doe⸗

tor, vollkommen von der Seekrankheit frei, und gewöhnte mich auch ſogar bald daran, das Elend um mich her ruhig und ungerührt mit anſehen zu können. Auf Mitleid darf überhaupt kein Seekranker Anſpruch machen; man weiß daß die Krankheit nicht lebensgefährlich iſt und bald wieder vor⸗ übergeht, und eher gewinnt bei den Geſunden eine gewiſſe Schadenfreude die Ueberhand.

Angenehm war die Lage der Geſunden am Bord übrigens auch nicht wenn auch immer noch beneidenswerth gegen die der Kranken. Der Regen kam nägmlich in Strömen nieder, und ſo fatal die Näſſe ſein mochte, war es doch in dem unteren Raum, mit all den Kranken, gar nicht auszu⸗ halten.

Ein paar Tage vergingen ſo in wirklich trauriger Art, und nur der rege Wellentanz draußen in See, entſchädigte mich in etwas für das verzweifelte Leben an Bord. Die See fing auch nach und nach an ſich wieder etwas zu beruhi⸗

Gerſtäcker, Streif⸗ und Jagdzüge. I. 2