Teil eines Werkes 
6. Bd. (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

228

lockte das Rebhuhn und die Wachtel; ſie blieb ſtehn und horchte dem Laut, aber nicht vom Boden nahm ſte den Blick, ſchauderte zuſammen, als ob ſelbſt dieſe füßen Töne nur furcht⸗ bare Erinnerungen für ſie hätten, und ſchritt langſam weiter ihre ſtille Bahn, dem Walde zu.

Nur einmal blieb ſie noch ſtehn, und zitterte, und wäre faſt in die Knie geſunken, als vor ihr, bis jetzt von Birken⸗ und Weidenbüſchen verdeckt, ein kleines, einſam gelegenes, ödes Häuschen, mit halb geöffneter Thür und ausgebrochenen Fenſtern ſichtbar wurde; aber wie gewaltſam raffte ſie ſich zu⸗ ſammen, faßte ihren Stab feſter und ſchritt auf das niedere, verlaſſene Gebäude zu.

Als ſie die Schwelle erreichte, läuteten unten die Glocken den Nachmittagsgottesdienſt aus, und als ob die Töne ſie mit furchtbarer, unwiderſtehlicher Gewalt getroffen, brach ſie zu⸗ ſammen in die Knie, und lag lange Minuten wie betend da. Dann erhob ſte ſich langſam wieder, warf noch einen ſcheuen Blick über das, unten das kleine Thal füllende Dorf, und ver⸗ ſchwand dann in dem dunklen Raum der Hütte.

Unten im Dorf läuteten die Glocken den Nachmittags⸗ Gottesdienſt aus, und der würdige Paſtor Donner, deſſen Haar die letzten drei Winter doch um ein Bedeutendes gebleicht, kam freundlich, rechts und links die noch vor der Kirche ſtehenden Kinder und Gemeindemitglieder grüßend, die ihn, mit dem Hut in der Hand, vorbeiließen, ſeiner klſeinen Wohnung, dem