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Die freie kühne Stirn von ihnen überwallt Und in dem Blick, mit zauberiſcher Gewalt, Den ganzen weiten Himmel offen,
Auf mich hernieder ſah.— Betroffen,
Ja zitternd faſt von Luſt und Liebeswahn Betrete ich des holden Mädchens Nähe Und frage— ſtammle halb verzückt
Von ſolcher nie geahnten Schöne
Oh Holde ſprich—
„Ich bin verrückt,“ fiel hier der Rothbart trocken ein, den Reim completirend; während ſich aber Theobald ſtolz und indignirt von ihm abwandte, erklärten ſich die übrigen Gäſte ſämmtlich über den ewigen Störenfried entrüſtet, und Steinert beſonders, der aufſtand und in einer wohlgeſetzten Rede den Mann zu vernichten ſuchte, wandte ſich dann wieder an den Dichter und ſagte—
„Laſſen Sie ſich nicht irre machen Herr Theobald— Sie wiſſen wohl— ein dicker fetter Mops ging einſt im Monden⸗ ſchein ſpatzieren— erzählen Sie nur weiter; fahren Sie fort in Ihrer trefflich begonnenen Improviſation— Sie ha aufmerkſame, theilnehmende Zuhörer— da iſt auch Ihr Punſe der wird Ihnen gut thun.“
Theobald trank einen tüchtigen Schluck, aber den poeti⸗ tiſchen Anlauf, den er genommen, fand er nicht wieder, und erzählte nun den Reiſegefährten mit proſaiſchen aber dadurch auch kürzeren Worten, wie er über den Markt gegangen, bei einem wunderhübſchen, etwas dunkelhäutigen Mädchen ſtehen geblieben und in Gedanken eine Taſſe dünnen Kaffees nach der
anderen, jedesmal für 6 ½ cent die Taſſe, getrunken habe, 19


