Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

292

als eine arme, abgeriſſene alte Frau, vor Fieberfroſt ſchüttelnd, herangekommen ſei, und ſich dicht neben den Kaffeeſtand an einen Pfeiler gekauert habe. Das junge Mädchen erkundigte ſich theil⸗ nehmend bei ihr was ihr fehle und ſchenkte ihr dann eine Taſſe heißen Kaffee ein, die die kranke Alte mit zitternden Händen nahm und austrank, und mit innigem Dank wieder zurückreichen wollte, als ein Mann, derſelbe der ihm dieß Gaſthaus recommandirt habe, als er ihn am erſten Tag zu fällig auf der Straße traf, über den Weg wegſprang, der Frau die Taſſe aus der Hand riß und auf die Steine warf, daß ſte in tauſend Scherben zerſplitterte, und dann auf das holde, vor Angſt jetzt zitternde Kind losſprang, ſie zweimal mit aller Kraft auf die furchtgebleichten Wangen ſchlug, und ſie in deutſcher Sprache mit den nichtswürdigſten Worten ausſchalt und ſchimpfte, weil ſte den Kaffee, der ihrem Herrn gehöre, ver⸗ ſchenke, und die Taſſen, aus denen kein Gentleman dann wie⸗ der werde trinken wollen, ſolch ſchmutzigem alten Drachen zum ebrauch in die Hände gebe.

Das war zu viel rief Theobald, in der Erinnerung an

die erlebte Schandthat noch einmal von ſeinem Stuhle auf⸗

ſpringend;ein deutſches Mädchen, denn dafür mußte ich die Unglückliche jetzt halten, vor meinen Augen alſo mishandelt zu ſehn, konnte ich nicht ertragen, und mit zwei Sätzen auf den Elenden zuſpringend, faßte ich ihn bei der Bruſt, ſchleu⸗ derte ihn zurück und ſchwur ihm, daß ich ihn zu Boden ſchla⸗ gen würde, wenn er noch eine Hand gegen das Kind aufhebe, das ich von dieſem Augenblick an unter meinen Schutz ge⸗

7 A.