Heute aber ging es beſonders lebhaft in der kleinen, hinter dem Schenkzimmer gelegenen Gaſtſtube her, denn der Dampfer von New⸗York war mit neuen deutſchen Zeitungen eingetrof⸗ fen, und den eben erſt angekommenen Paſſagiere, die ſeit ihrer Abfahrt von dort auch keine Sylbe aus der Heimath gehört, war es beſonders ein ganz eigenthümliches Gefühl, Berichte von Monate alten Daten als eben Geſchehenes zu erhalten, und ſich darüber zu freuen.
Vor allem Anderen wurde die Politik durchgenommen— die Leute durften ſich hier eine Güte thun und frei und unge⸗ ſcheut über Verhältniſſe ſchimpfen, denen ſie dort entgangen waren;z dann kamen die Hofnachrichten aus einem Königlichen Blatt, in dem die Privatnachrichten über die hohen und höch⸗ ſten Herrſchaften, und wann allerhöchſt dieſelben zu ſpeiſen geruht ꝛc., ꝛc., ꝛc., laut vorgeleſen und mit Jubel begrüßt wurden. Die Ordensverleihungen wurden ebenfalls laut und gewiſſenhaft vorgeleſen bis die Leute die ſpaltenweiſen Aus⸗ theilungen ſatt bekamen und Anderes hören wollten.
„Oh hoͤren Sie auf mit dem Unſinn,“ rief Herr Schultze endlich, ſich die Hände reibend,„wir ſind hier froh, daß wir nichts mehr damit zu thun haben; Herr Steinert, leſen Sie uns etwas Geſcheuteres vor.“
„Etwas Geſcheutes verlangen Sie aus einer deutſchen Zeitung ſehr verehrter Herr Reiſegefährte?“ rief aber der Wein⸗ reiſende über das Blatt nach ihm hinüber lachend,„da thut es mir leid Ihnen nicht willfahren zu können, ich müßte Ihnen ſonſt hinten die Subhaſtationen oder Steckbriefe vorleſen, von


