Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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das neue beginnen dürfen und können, iſt ihnen das Vaterland nur noch das letzte Sprungbret, von dem aus ſie mit keckem fröhlichem Satz einer neuen Welt in die Arme fliegen, und ſie feiern den Tag und die Stunde, vor deren Nahen ſie Jahre lang gebebt oh daß ſie nie den Tag beweinen müßten.

Die Fröhlichkeit der Auswanderer iſt aber in ſolchen Fällen auch ſelten eine ruhige, meiſt eine wilde, ausgelaſſene, wie das auch wohl kaum anders der Fall ſein kann; ſie wol⸗ len nicht zurückdenken an das was hinter ihnen liegt, und das Nöthigſte was ſie dabei zu thun haben, iſt die Gedanken zu betäuben, die ihnen oft dennoch ins Hign ſteigen, ſie mögen ſie eben haben wollen oder nicht.

Eine Menge der jungen Leute waren an dem Abend noch einmal im Theater geweſen, in der fremden Stadt irgend ein altes bekanntes Stück aufführen zu ſehen, und ſaßen jetzt bei ihrem Abendeſſen und Wein, und ſprachen und ſtritten ſich über die Aufführung, als ob ſie nur eben deretwegen allein nach Bremen gekommen wären. Dort in der Ecke rechneten ein paar, die wahrſcheinlich gemeinſame Caſſe mit einander hatten, und jetzt ihre gehabten und zu habenden Auslagen wohl durchſahen; die meiſten aber lachten und plauderten mit ein⸗ ander und tranken und ſangen noch, heimiſche Weine und Lie⸗ der bis ſpät in die Nacht hinein:

Ganz ſtill und geräuſchlos war indeſſen ein alter polni⸗ ſcher Jude in ſeiner Nationaltracht, dem langen ſchwarzen ſchmutzigen ſeidenen Kaftan, mit einem Knaben von vielleicht zwölf oder dreizehn Jahren hinter ſich, ebenfalls in das Gaſt⸗

Gerftäcker's Nach Amerika. II. 2 4