Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

241

ſchon den ganzen Tag ihren gewöhnlichen Beſchäftigungen obgelegen, wie im Traum noch einmal ſeine Lieblingsgerichte bereitet für den Abend, den letzten Abend, den er im Vater⸗ hauſe zubringen würde.

Lieber Gott, die Speiſen kamen Abends auf den Tiſch und wurden gegeſſen, aber Keiner von allen, die jüngſten Ge⸗ ſchwiſter ausgenommen, ſchmeckten was ſie aßen; man ſprach dabei über das an dem Nachmittag fortgeſandte Gepäck, über das Wetter, über die Uhr die zehn Minuten vorging Georg trug Grüße auf an alle ſeine Bekannte, die ſich noch ſeiner er⸗ innerten. Er hatte an dem Tag noch ſelber ein paar Briefe ſchreiben wollen, war aber nicht dazu gekommen Vieles Andere war ihm ebenfalls entfallen; ſo wollte er einen Abſenker von dem Roſenſtock mitnehmen der vor der Mutter Fenſter blühte, und jetzt blieb ihm doch keine Zeit mehr; aber während dem Eſſen ſtand die Schweſter unvermißt vom Tiſche auf, ging hinaus, grub einen Abſenker aus, und brachte ihn in einem kleinen Topf dem Bruder, dem ſich die Thränen in die Augen zwangen er mochte kämpfen dagegen wie er wollte als er die Gabe ſah. Die Mutter ſtand vom Tiſch auf und ging hinaus nicht ein Wort wurde geſprochen ſo lange ſie fort war. Die Speiſen verſchwanden dabei von den Tellern und der Wein wurde getrunken, und die Mutter kam zurück und nahm ihren Platz wieder ein, lautlos wie vorher; man konnte den langſamen Gang der Uhr hören, an der Wand.

Da endlich füllte der Vater ſein Glas bis zum Rand, Gerſtäcker's Nach Amerika. IJ. 16