Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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und Drang der jungen, nach Thaten dürſtenden Bruſt, einen Schauplatz zu finden für ihr Sehnen und Wirken, wenn er

ſich auch wohl ſelber dann wieder mit einem ſchweren Seufzer

geſtehen mußte, wie manche Hoffnung der Sohn zertrümmert, wie manche Erwartung er getäuſcht ſehn würde in dem neuen Leben, das jetzt ihm freilich im vollen Glanz einer aufſteigen⸗ den Sonne, von warmem Lichte übergoſſen winkte. Und wie würde ſich ſein Herz dann bewähren, das jetzt jubelnd zu den blinkenden, Flaggen⸗ und Blumengeſchmückten Wällen ſeiner eigenen Luftſchlöſſer aufſchaute, wenn es an deren Trümmern ſtand? oh daß er dann hätte an ſeiner Seite ſtehen und ihn leiten dürfen den dunklen, ſchmalen Pfad zum wahren Glück retten ihn dann vor ſich ſelbſt und ſeinem bittern Weh.

Aber die Zeit lag noch fern, und weshalb ſich ſelbſt den Augenblick vergiften, wo ſich der Himmel noch blau und rein über ſeiner Zukunft ſpannte. Georg ſelbſt ſah auch Nichts von ſolchen trüben Bildern, die das Herz des Vaters oft mit banger Trauer füllten; ihm war das Thor jetzt weit und frei geöffnet, das hinaus in's Leben führte und an deſſen Schwelle er ſtand, und nur die Trennung noch vom Vaterhaus lag ſchwer auf ſeiner Seele.

Am ſchwerſten freilich trug gerade dieſe Stunde, weil ganz und ungetheilt, das Mutterherz. Nicht dachte ſie in die⸗ ſem Augenblick an die Hoffnungen die dem Sohne in der Welt draußen blühen, an die Gefahren die ihm drohen könnten; ſie ſah und fühlte Nichts, als die Trennung von dem Kind, den

Abſchied von dem Heißgeliebten, und wie im Traum hatte ſie