238
und ihm den Schweiß von der heißen, glühenden Stirn zu trocknen, die Verführung ihre falſchen, goldblinkenden Netze nach ihm auswerfen, und keine treu warnende Stimme ihm zur Seite ſtehn— Noth und Mangel vielleicht in bitterem Weh auf ihm laſten, und Niemand da ſein, der ihm Hülfe bringt, und den Unglücklichen tröſtet und unterſtützt— Mutter und Vater ſind fern, fern von dem Geliebten, ſeine Klage dringt nicht herüber zu ihnen— ihr Troſt und Hülfswort nicht zurück zu ihm.
Und ein ſolcher Abſchied dann— der Tod pocht nicht viel härter an des Glückes Thor, und das Bewußtſein den Geſchiedenen ſtill und geſchützt in kühler Erde zu wiſſen, auf der die treu gepflegten Blumen keimen, iſt oft noch weniger bitter als dieſer freiwillige Tod— der Fortgang über's Meer, in eine fremde, ungekannte Welt— vielleicht ſo ohne Wiederkehr wie jener, und ohne jedes beruhigende Gefühl der Sicherheit. Der Scheidende iſt da noch immer beſſer, weit beſſer daran als die Zurückbleibenden; ihm liegt die Welt jetzt frei und offen da, jede Stunde draußen, jede Meile Wegs bringt ihm Neues, Unbekanntes, und wehrt dem Blick nur an dem einen Schmerz zu haften. Er hat auch zu ſorgen, für ſich und ſein Gepäck, ſeine ganze Zukunft iſt ihm in der einen Stunde in die eigene Hand gegeben— ein ungewohnt Ge⸗ ſchäft bis jetzt— und fremde Landſchaft, fremde Scenen wech⸗ ſeln ſo raſch an ihm vorüber, daß jedes Bild einen Theil des
alten Schmerzes fortführt mit ſich. Selbſt der Gedanke an die
Verlaſſenen hat nicht das Herbe, Bittere für ihn, als es für


