Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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nicht weit von dort entfernt, mit einem neuen Grabe beſchäf⸗ tigt. Langſam ſeinen Spaten ſchulternd ging er mit ihm zu dem verlangten Platz, und dort ſein Handwerksgeräth neben ſich in den Boden ſtoßend und ſich den Schweiß von der glühen⸗ den Stirne trocknend, ſagte er freundlich:

Warmer Tag heute, Herr Actuar ſehn Sie einmal was für ein ſchönes Stöckchen; das müſſen wir aber ordent⸗ lich angießen, ſonſt vertrocknet es gleich in der lockeren Erde werde Ihnen das ſchon beſorgen.

Bitte ſein Sie ſo gut, ſagte Ledermann, und der Mann nahm den Stock auf, drehte ihn um und ſchlug mit der flachen Hand unter den Topf, dieſen locker und los zu bekommen.

Kennen Sie das junge Mädchen was da auf dem Grabe an der Mauer liegt? frug der Actuar jetzt, als ſein Blick wie⸗ der zufällig dort hinüber ſtreiftedort drüben meine ich.

Ja ich weiß ſchon, ſagte der Mann, ohne den Kopf zu wenden und mit ſeiner Arbeit beſchäftigtnein ſie ſaß vor dem Kirchhofsgitter ſchon heut' Morgen wie ich öffnete, um drei Uhr früh, und muß die ganze Nacht da zugebracht haben. Wie ich das Thor aufmachte frug ſie mich nur nach dem Grabe eines armen Teufels, den wir hier vor kurzer Zeit zu Ruh gebracht, und iſt ſeit der Zeit nicht von dort wegge⸗ gangen. Das kommt manchmal vor.

Und wer liegt da begraben? frug Ledermann ſchnell, dem ein plötzlicher Gedanke an das Mädchen von geſtern Abend aufſtieg. 1

Dort an der Mauer? ſagte der Todtengräber,ih Sie