Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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235 wieder ſeit ſo langer, langer Zeit die ſie gehört, thaten ihr wohl und bannten die Verzweiflung aus ihrem Herzen, der ſie ja ſonſt wohl rettungslos verfallen wäre. Wieviel Segen hat ſchon ein herzliches Wort gebracht, dem Unglücklichen geſpen⸗ det wie viele Thränen getrocknet, wie manches Weh, wenn es nicht heilen konnte, doch gelindert.

Kellmann erbot ſich dann auch, ſie zu ſeiner Mutter zu führen, wo ſie wenigſtens bleiben konnte bis ſich etwas Wei⸗ teres entſchieden. Von Amerika ſagte er ihr noch Nichts, die nächſten Tage mochten ſie erſt mit dem Gedanken vertrauter machen, wenn ſie hörte wie viel Leute die auch ihren Bruder gekannt und liebe Freunde von ihm ſelber ſeien, gerade jetzt nach dort hinübergingen.

Hedwig zögerte noch ſchüchtern das gütige Erbieten an⸗ zunehmen, aber die Worte klangen ſo herzlich, ſo gut gemeint, ſie ſtand ſo hülflos, ſo allein in der weiten Welt, der fremde Mann erſchien ihr wie ein Engel des Himmels in ihrem Schmerz, und unter Thränen nahm ſie ſeine Hand und dankte ihm, und ſagte daß ſie ihm folgen würde, wohin er ſie führe.