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Geſchichte gleich in der erſten Viertelſtunde erführe; heute Morgen wollte ich dann ſelber herkommen und ſehn was ſich thun ließ—“
„Und jetzt?— weiß ſie was geſchehen iſt? frug die Pro⸗ feſſorin mitleidig die Hände faltend— Herr Kellmann zuckte mit den Achſeln und ſagte:
„Sie iſt fort—“
„Fort?— wohin?“ riefen die Frauen.
„Kein Menſch konnte mir darüber Auskunft geben, geſtern Abend war ſie richtig dort angekommen, und ihres dürftigen Ausſehns wegen in die Geſindeſtube gewieſen, und dort muß ſie unglückſeliger Weiſe ihren Namen genannt, vielleicht nach ihrem Bruder gefragt und das Schrecklichſte gleich erfahren haben, denn ſie war, ſelbſt ihr Bündel im Stich laſſend, hin⸗ ausgelaufen in Nacht und Nebel und— und nicht wieder zurückgekehrt.“
„Du lieber Gott,“ ſagte Anna,„wenn ſie ſich nur kein Leides gethan.“
„Ich bin gleich zu Ledermann und dann auf die Polizei gegangen, dieſe aufmerkſam zu machen,“ ſagte Kellmann etwas kleinlaut,„werde auch ſelber noch mein möglichſtes thun das arme Ding wieder aufzufinden, aber— ich weiß wahrhaftig nicht wo man die eigentlich ſuchen ſoll, denn ſie kennt ja keinen einzigen Menſchen in der Stadt.“. „Und in ihres Bruders früherem Logis?—“ „Hat ſie Niemand geſehn— ich war dort.“


