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„Ja, Sie grüßten ja herauf,“ ſagte die Profeſſorin—
„Nun gut; ich war dort, einem armen Mädchen nachzu⸗ fragen, das wir geſtern Abend ſpät auf der Straße trafen, und das ich dorthin ſchickte Nachtquartier zu ſuchen“— Und nun erzählte ihnen Kellmann mit kurzen Worten das geſtrige Zu⸗ ſammentreffen mit des unglücklichen Loßenwerder Schweſter, und ebenfalls daß ſich ſchon jetzt herauszuſtellen ſcheine, wie der arme Teufel von Loßenwerder unſchuldig in Verdacht gerathen ſei. Nur in reiner Verzweiflung mochte er ſich den Tod ge— geben haben, als man ihm das letzte, einzige das er auf der Welt hatte— ſeinen ehrlichen Namen— nehmen wollte— oder eigentlich ſchon von Gerichts wegen genommen hatte. Unſere wackeren Polizeigeſetze halten ja nun einmal jeden Menſchen für einen Spitzbuben, bis er nicht durch Atteſte genügend dar⸗ gethan hat daß—„gegen ihn noch nichts Gravirendes be⸗ kannt geworden.“
„Und was geſchieht jetzt mit dem armen, armen Mäd⸗ chen?“ frugen faſt gleichzeitig Marie und Anna—„lieber Gott, hier in der fremden Stadt, allein, ohne Mittel, ohne Freunde, wie entſetzlich müßte es da ſein, wenn ſie vielleicht aus rohem Munde zuerſt die furchtbare Nachricht vernähme.“
„Geſtern Abend,“ ſagte Herr Kellmann etwas verlegen, „kam uns das Ganze wirklich ſo ſchnell und überraſchend, daß wir nicht die geringſte Zeit zum Ueberlegen behielten; wir— wir gaben ihr nur ein paar Groſchen und ſchickten ſie in den Löwen, hier gegenüber, um da zu übernachten, damit ſie nicht in der Stadt nach ihrem Bruder früge, und die entſetzliche
Gerſtäcker's Nach Amerika. I. 15
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