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„Was iſt Ihnen denn nur heute, Herr Kellmann?“ ſagte aber Marie, jetzt zu ihm tretend und ſeinen Arm berührend— „Sie ſchneiden ja heut Morgen ein ſo bitterböſes Geſicht, wie ich noch faſt in meinem Leben nicht an Ihnen geſehn. Iſt Ihnen irgend etwas Aergerliches begegnet?— oder— Sie ſind doch nicht böſe mit uns?“
„Böſe mit Ihnen? lieber Gott Mariechen,“ ſagte Kell⸗ mann herzlich ihre Hand ergreifend—„ich müßte böſe mit Ihnen ſein daß Sie fortgehn und mich hier allein zurücklaſſen; ſonſt wüßt' ich wahrhaftig nicht weshalb.“
„So kommen Sie mit,“ lachte Marie, indem ſie neckiſch zu ihm aufſah.
Kellmann ſeufzte tief auf, ſagte dann aber kopfſchüttelnd, und mit der Hand über ſeine Stirn ſtreichend, als ob er ſich daraus all' die trüben Gedanken verſcheuchen wollte—
„Nach Amerika?— ja, weiter fehlte mir gar Nichts; aber heute ſind es wirklich andere Sachen die mir im Kopf herumgehn.“
„Iſt etwas vorgefallen, und können wir Ihnen helfen, lieber Herr Kellmann?“ ſagte Anna freundlich.
„Ach Gott nein,“ ſagte der kleine Mann ſeufzend—„es iſt ein Stück von dem allgemeinen Elend, das über den ganzen Erdball hinſpielt, und das uns gewöhnlich mit einem unheim⸗ lichen Gefühl, auch nicht außer dem Bereich deſſelben zu lie⸗ gen, durchſchauert, wenn wir ihm einmal auf unſerem Lebens⸗ pfad begegnen. Sie ſahen mich als ich vor dritthalb Stunden etwa drüben aus dem Löwen kam?“


