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„Waren Sie auch ſchon— auf dem Kirchhof?“ frug ihn Marie jetzt leiſe und ſchüchtern.“
„Wahrhaftig, daran hatte ich gar nicht gedacht,“ ſagte Kellmann raſch ſeinen Stuhl zurückſchiebend,„die Möglichkeit iſt da, und ich will keinen Augenblick mehr verſäumen— viel⸗ leicht iſt es jetzt noch nicht zu ſpät.“
„Und Sie ſagen uns Antwort?“
„Sowie ich etwas Beſtimmtes über ſie weiß— aber— aber was dann mit ihr anfangen?— hier in der Stadt kann ſie nicht bleiben,“ ſagte Kellmann, die Thürklinke ſchon in der Hand,„und überhaupt ſcheint mir ihr ſchwächlicher Körper zu grober Handarbeit gar nicht geeignet.“
„Vielleicht bietet ſich da für die Schweſter in demſelben Haus ein Ausweg,“ rief Anna plötzlich,„das für den Bruder ja ſo viel gut zu machen, wenn er wirklich unſchuldig gelitten. Geſtern Nachmittag noch klagte mir Clara ihr Leid, daß ihre Kammerjungfer, mit der ſie ſehr zufrieden iſt, und die ihr bis dahin feſt verſprochen mitzugehn, plötzlich anderes Sinnes ge⸗ worden wäre, und ſich jetzt weigerte Heilingen zu verlaſſen. Clara iſt ſo ſeelensgut, ſie würde gewiß Alles thun was nur in ihren Kräften ſteht, das arme Kind den herben Verluſt ver⸗ geſſen zu machen. 3
„Aber wird ſich das Mädchen ſelber dazu eignen?“ ſagte Kellmann.
„„Weshalb nicht,“ rief aber auch jetzt Marie—„bringen Sie die Arme nur hierher, ſobald Sie ſie finden, und nehmen
ſi Henkels nicht mit, findet Papa gewiß einen Ausweg. 15*
A. 8.„*


