Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Zimmer des jungen liebenswürdigen Geburtstagkindes. Frau Dollinger hatte ſich eigentlich ſchon länger auf eine zu dieſem Zweck einzuladende, größere Geſellſchaft gefreut, Herr Dollinger ſelber hielt aber nicht viel von ſolchen Féeten; dafür jedoch be⸗ dung ſie ſich aus, daß ſie wenigſtens den Nachmittag ſpatzieren fahren wollten, wobei ſie der junge Henkel gewöhnlich zu Pferde begleitete.

Etwas that aber der alte Herr Dollinger gern, und zwar ein Glas Champagner trinken, und der zweite Stöpſel war eben luſtig hinausgeknallt, der Geſundheit desjungen Braut⸗ paares zu Ehren, als die Thür aufging und Loßenwerder, ein Comptoirdiener des Hauſes, mit einem kleinen Paket in's Zimmer trat.

Loßenwerder war ſchon ſeit elf oder zwölf Jahren im Haus, und ſeinem Aeußern nach eben keine angenehme Per⸗ ſönlichkeit; er hinkte anf dem linken Bein, das er als Kind einmal gebrochen, war überhaupt häßlicher und magerer Natur, und ſchielte auf dem rechten Auge, wodurch ſein ſonſt gerade nicht unangenehmes Geſicht einen etwas falſchen Ausdruck be⸗ kam. Das Störendſte aber an dem ganzen Menſchen war ſein Stottern, wegen dem man ſich auf ein längeres Geſpräch gar nicht mit ihm einlaſſen konnte, und kam er einmal in Affekt, konnte er kein Wort mehr herausbringen. Frau Dollinger ſowohl wie Sophie konnten ihn auch nicht leiden, ja die letztere behauptete ſogar er verſtelle ſich und ſie habe ihn ſchon ganz ordentlich, wenigſtens zehntauſend Mal beſſer ſprechen hören, als er es jedesmal affektire, wenn er zu ihnen in die Wohnung