Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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nen, nur in der Angſt und Unruhe um die entſetzliche Gefahr, der ſich der tollkühne Menſch damals ſchon ausgeſetzt.

Der junge Mann ſchien aber zwiſchen jenen wilden Stäm⸗ men den Umgang mit civiliſirten Menſchen keineswegs ver⸗ lernt zu haben, und beſaß ganz beſonders ein faſt wunderbares Geſchick, ſich ſeiner Umgebung anzuſchmiegen, und ſich in ihre Charaktere ordentlich hineinzuleben. Als ein tüchtiger und raffinirter Kaufmann, der vorzüglich eine vortreffliche ſtatiſtiſche Kenntniß der Union beſaß, gewann er ſich dabei, und gleich von allem Anfang an, die Achtung des alten Dollinger. Der Frau aber hatte er leicht ihre kleinen, oft liebenswürdigen Schwachheiten abgelauſcht, und wußte ihnen auf ſo geſchickte

Art zu begegnen, daß Frau Dollinger, mit der Rettung des

geliebten Kindes im Hintergrund, ſchon nach ſehr kurzer Zeit ganz entzückt von ihm war, und ſein Lob dem Gatten unauf⸗ hörlich redete. Auch mit der älteren Schweſter, Sophie, wußte ſich Henkel bald auf guten Fuß zu ſtellen; er hatte bei ihr das leichteſte Spiel, denn ihre Schwächen lagen offen zu Tag, denen aber ſchmeichelte er mit ſolcher Liebenswürdigkeit, daß ihm Clara, die es fühlte wie er dabei aus ſich herausging und etwas annahm was ihm nicht natürlich war, oder doch jedenfalls dem Mann, den ſie liebte, nicht natürlich ſein ſollte, dennoch nicht böſe darüber werden konnte.

Deſto freier, offener und natürlicher war er dafür gegen

ſie ſelber; er las, ſang und ſpielte Pianoforte mit ihr, lehrte ſie eine Menge kleiner reizender, ſchottiſcher und iriſcher Lieder, oder plauderte mit ihr leicht und ſorglos Stunden lang in den