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voller, majeſtätiſcher, aber auch ihr Blick mehr kalt und ſtolz;
„ich bin des reichen Dollingera Kind“ lag klar und deutlich in den ſcharf zuſammengezogenen Mundwinkeln, in dem feſt und entſchieden blitzenden Auge, und auch ihre Kleidung, ihr Schmuck war, wenn nicht reicher, doch jedenfalls mehr in's Auge ſpringend, Bewunderung fordernd.
Zwiſchen Beiden ſaß Clara's Bräutigam, ein junger, bild⸗ hübſcher Mann in moderner, faſt für einen Mann etwas zu ge⸗ wählter und ſorgfältig geordneter Kleidung; er trug das Haar in natürlichen dunkelbraunen Locken und das Geſicht glatt rafirt, bis auf einen kleinen, aufmerkſam gekräußten, und nur bis zur halben Backe reichenden Backenbart, an den Fingern aber mehre ſehr koſtbare Diamant⸗Ringe, eine Brillant⸗Tuchnadel von prachtvollem Feuer, und eine ſchwere goldene, ebenfalls mit kleinen Edelſteinen beſetzte Uhrkette.
Die Bekanntſchaft Clara's und ihrer Eltern hatte er dabei auf eine etwas romantiſche Weiſe, und zwar gleich als ihr Lebensretter oder doch Befreier aus einer nicht unbedeutenden Gefahr gemacht. Herr und Frau Dollinger waren nämlich mit ihren beiden Töchtern im vorigen Herbſt auf einer Rhein⸗ reiſe bei Rüdesheim aus⸗ und zu dem kleinen Waldtempek oben über Asmannshauſen hinaufgeſtiegen, um ſich von dort nach dem Rheinſtein überſetzen zu laſſen; die Mutter hatte aber durch das nicht gewohnte Bergſteigen heftige Kopfſchmerzen bekommen oder, was wahrſcheinlicher iſt, ennuyirte ſich am Land und wünſchte an Bord des Dampfers zurückzukehren, und als ſie gerade mit dem Kahn über den Rhein fuhren, kam ein
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