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denn es war das erſte Mal, daß er ſie Cäcilia ge⸗ nannt hatte.—
Amanda iſt eine Waiſe, antwortete ſie mit geſenkter Stirn, ſie hat nichts als Dich, nur im Schatten des Eichbaumes hat dieſe Lilie Schirm und Leben; muß ſie hinaus, tödtet ſie Mittagsglut und Sirocco.—
Der ſchimmernde, langbeſpannte Wagen raſſelte vorz er küßte ihre ſchönen Augen und warf ſich hinein.
Die weiten Zimmer der königlichen Burg faßten kaum die Gäſte; gedrängt voll war die Reihe der hel⸗ len Säle, Muſik überall, tanzende Colonnen im höch⸗ ſten Schmuck; draußen Volksjubel, mit tauſend Lam⸗ pen erleuchtete Gärten, alle Springbrunnen plätſchernd, ſilbern glänzend im Lichte des Feuerwerks.— Eugenie von Leuen ſchwarz gekleidet, nur das Diamantenkreuz auf der hohen Bruſt, ſtand im gewölbten gothiſchen Fen⸗ ſter. Roſalie trat freudig auf ſie zu. Du kamſt doch, ſprach ſie ſchmeichelnd; du gute Seele, die in der Freundin Glück das eigene Weh vergißt.—
Du wirſt glücklich? fragte Eugenie ernſt.—
Die Hoffnung wohnt mir im Herzen, entgegnete die Fürſtin. Hochherzig und edel nennt den künftigen Ge⸗ mahl die Welt; ſein Bild kündet den ſchönen Mann; mich lockt vor Allem der Wunſch, nützlich zu werden, meinen Platz zu haben in der Welt, nicht die Schma⸗ rotzerpflanze zu bleiben, die nur zehrt und keine Frucht gibt.—
Segen über Dich! ſagte Eugenie warm.—
Sahſt Du den Geſandten? fragte die Prinzeß weiter. Es iſt ein Deutſcher, doch hat er ſich im Türkenkriege Blumenhagen. VII. 26


