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bangenden, halb hoffenden Empfindungen die einfacheren,
rauheren Fluren des Abendlandes.
Die deutſche Königsſtadt war in voller Bewegung; das Volk flutete durch die Gaſſen den Thoren der Schloß⸗ höfe zu, alles Militär war geſchmückt unter den Waf⸗ fen, glänzende Wagen rollten zum Schloſſe, denn heute war ein Ehrentag für die geliebte, wohlthätige, ſo be⸗ ſcheidene Prinzeß Roſalie. Ein mächtiger fremder Herr⸗ ſcher hatte ſich ihre Hand erbeten; heute war der Tag der feierlichen Anwerbung durch einen ausgezeichnet em⸗ pfohlenen Geſandten.
In den vrientaliſchen Gemächern des verſchloſſenen Meiergehöftes ſtand General Leuen vor Amanden. Des Kaiſerhofes höchſter Kriegerſchmuck umgab ihn, Orden an Orden glänzten auf der breiten Heldenbruſt. Amanda warf ſich vor ihm auf die Knie. O ſo wareſt Du, Herrlicher, rief ſie, in jener Stunde der Noth, ſo trat mein Cherub zu mir in der Verzweiflung, und ſein Bild herrſcht darum ewig allein in meinem Herzen!—
Meine Cäcilia! antwortete der edle Herr, iſt fromm und gut. Nicht im Beſitz liegt ja der Liebe Glück. Nein, das geliebte Weſen glücklich ſehen und glücklich machen iſt der Liebe Höchſtes.— Nie ſcheidet ſich der Vater von dem Kinde. Doch kann ich vielleicht den Frühlingsgarten jugendlicher Liebe Dir öffnen, und Cäcilia wird dann ſeliger ſein, als wenn der finſtere, erkältete Mann die ſchöne Blüte zerblät⸗ tert hätte.—
Er ſagte das mit tiefem Gefühle und erhobener Stimme; ſie begegnete den Worten mit leiſem Weinen,
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