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mit Ehrenwunden einen fremden Ehrennamen verdient; beſinn' ich mich doch nicht ſogleich. Du mußt ihn ſe⸗ hen: eine ſchöne, herrliche Geſtalt, nur finſter, wie ein Schlachtengott, das wäre ein Mann für Dich, und wir trennten uns dann nimmer!—
Roſalie ſpottet der Freundin und reißt an meiner Wunde! entgegnete die Frau von Leuen ergriffen.—
O Vergebung! Roſalie iſt heute Muthwill' und Leichtſinn!—
Sie küßten ſich und gingen dem Prunkſaale zu.
Graf Orni und Oberſt Wildung begegneten ſich auf derſelben Stelle.
Die Todten ſtehen auf! Wie iſt Euch, Graf?—
So habt auch Ihr ihn erkannt? O es iſt kein Zwei⸗ fel, ich weiß Alles, auf dem Meierhofe hat er gelebt ſchon lange, das Schloß beobachtend und die Frau.—
Und hat ſie treu gefunden, ſiel Wildung ein, und wird ſie nun ihrem Schmerz entreißen und lohnen und lieben. Wie freue ich mich ihrer Seligkeit.—
Das kann Euer Ernſt nicht ſein, antwortete ſtutzig der Königsgünſtling; Ihr liebet ſie ja auch. Aber ich bin der Teufel in dieſem Himmel.—
Wißt Ihr noch, Graf, wie Ihr mich den irrenden Ritter ſchaltet und das Geſpenſt uns zuerſt erſchien? Nun ſind wir beide irrende Ritter, und dürfen beide weiter ſuchen. Nur hattet Ihr damals doch Recht, es war ein Unterſchied zwiſchen unſerm Lieben, denn das
meine war ein Kind der Achtung, das Eure war Be⸗
gier und thieriſches Gelüſt.—
Was zanke ich mit Euch, unterbrach ihn der Graf


