Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

391

Gruß meines edlen Reiterhauptmanns, und ſein Erbe in dieſem Käſtchen.

Er ſtarb! lallte Eugenie.

Ich ließ ihn auf den Tod verwundet, antwortete leiſe der wilde Krieger. Eine Stückkugel hatte ihn vom Pferde geworfen. Die Feinde ſtreiften nahe heran, da reichte er mir dieſes Käſtchen, ließ mich ſchwören auf das Hei⸗ ligenbild an meiner Bruſt, ohne Raſt Euch zu ſuchen, und ſeinen letzten Gruß Euch zu bringen. Da bin ich denn und habe meine traurige Pflicht erfüllt!

Er ſetzte das Käſtchen nieder. Eugenie wollte fragen, doch verſtummend im Schmerz winkte ſie den Boten hinweg, und rief dem Traurig⸗Scheidenden leiſe nach: Ich werde Euch noch rufen laſſen! Mit Haſt ergriff ſie das Käſtchen und öffnete es. Oben auf lag ein gol⸗ dener Ring auf einen edeln Reiherſtrauß gezogen, ein Schatz von Juwelen lag drunter. O es war ſein Ring, ihr Ring, ihm am Brauttage gegeben; kein Zweifel ſeines Todes blieb ihr, ſie ſank halb ohnmächtig in des Oberſten Arme. Leiſe küßte der Oberſt ihre blonde Locke, und ſagte in ſich: Iſt meiner Hoffnung heute auch der unerſchütterlichſte Fels aus dem Wege geräumt worden, o ich gäbe in dieſem Augenblicke doch gern die ganze Hoffnung hin, Euch den Todten zu erwecken. Leiſe drückte Eugenie des ſchönen Mannes Hand, er nahm leiſe die drückenden Finger an den Mund, und ging dann mit naſſen Blicken, den großen Schmerz des großen Herzens nicht zu entweihen.

Frohlocken im wilden Auge, begegnete Graf Orni

dem Oberſten auf der Vorhalle. Iſt es wahr? fragte

er laut. Der Todesbote war bei ihr? Ich habe den Unbeſonnenen ſogleich an der Thüre verhaſten laſſen,