Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
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rein, daß man ihnen wohl ein Mädchenherz, geſchweige denn ein Mädchenantlitz vertrauen könnte. Der fremde Jüngling legte, die Augen nicht abwendend von dem ſchönen Antlitz des Weibes, ſtumm, wie ſchwörend, die Hand auf das Herz. Wie Du willſt, Robert! antwor⸗ tete ſich neigend die holde Dirne. Polſter legte ſie dann zurecht, die Männer ſetzten ſich, und ſie kredenzte Obſt und Wein.

Nun, junger Mann, begann Robert nach einer Weile, Du wollteſt mir erzählen von dem Hauſe drüben und ſeinen Inwohnern. Fang an Deinen Spruch, der Fremde muß ſeine Nachbarn kennen.

Der Jüngling holte tief Athem, dann begann er: Iſt mir doch, als ſollte ich nicht erzählen jetzt, ſondern mein Saitenſpiel nehmen und ſingen; aber Du willſt, ich verſprach's, ſo höre denn!

In Frieden und Lieben ohne Betrüben wohnte drü⸗ ben ein gar adeliger Herr, genannt von Leuen, mit ſei⸗ nem herrlichen Weibe, das er ſich aus dem fremden Lande mitgebracht. Alle Frauen der Heimath ſahen ſie neidiſch an, alle Männer voll Liebe; Eugenie gewann in wenig Zeit alle Frauenherzen, entfernte in wenig Zeit alle Männerherzen in Ehrfurcht. Da ſtarb der alte König, und der neue Fürſt kam mit ſeinem Günſt⸗ linge, Grafen Orni, aus Siciliens Paradieſe ins rauhe Vaterland zurück. Den Günſtling entflammte die ſchöne Frau, er lockte und ſchmeichelte und drohte ohne Erfolg; da ward er endlich in frecher Bosheit dreiſt bei einem öffentlichen Feſte des Fürſten, und der hochadelige Herr von Leuen ergriff den Frechen an der Schulter und ſchüt⸗ telte ihn derb mit harten Mannesworten. In den Bü⸗ ſchen, wo Ihr mich fandet, trafen am andern Morgen

Blumenhagen. VII. 25