Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

382

iſt, daß, wäre ſie Königin der Erde, ewiger Friede be⸗ glücken würde?

Die Stelle iſt bös und gefährlich! antwortete finſter der hohe Mann.

Schmerzt die Bruſtnarbe? fragte der Oberſt leicht⸗ hin. Ja, die Stelle war nicht gut für Euch. Der Glück⸗ liche ward dürch ſie verjagt, aber zeinen Gewinn brachte das feine, blutige Stückchen, denn nimmer kann die hohe Herrin den lieben, der ihr den Geſpons raubte. Das grollt in Euch, Graf, das fürchtet Ihr. Aber laßt das, und beruhigt Euch; auch ich bin kein glücklicher Neben⸗ buhler, und ſchaue mit gleich ſcharfer Sehnſucht nach dem hellen Fenſter da oben hin, und meine Nächte ſind 5* nicht ruhiger als die Euren.

Vergleicht beſſer! erwiderte in Aufwallung der Graf. Mein Herz hat Hoffnung da, wo Ihr verzweifeln müßt.

Meinet Ihr, weil Ihr des Fürſten Günſtling ſeid? fiel der Oberſt ſtechend ein. Der Geſchmack der Damen iſt oft feiner wie eine Königswahl, und wenn die Krone vielleicht den demüthigen Schmeichler gern hak, ein edel Weiberherz liebt nur das Selbſtgefühl und die ſtolze Stärke.

Ein verbiſſener Zornlaut fuhr über des Grafen Lippe; Beide traten einen Schritt zurück, Beide ſchlugen die Mäntel dus einander, und zwei Männerfäuſte, die an das Degengefäß gegriffen, wurden ſichtbar; da trat aus den Birken eine fremde Männergeſtalt zwiſchen ſie, und hob drohend den Arm. Der Mond ſchlich hell hervor, und ein bleiches, aber kühnes Geſicht in ſchwarzen Locken und dichtem Barthaar wurde von ihm beſchienen; die bei⸗ den Streiter ſtutzten, ſtarrten, und eilten nach verſchie⸗ denen Richtungen davon, Der bleiche, bärtige Mann