Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
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Euer Herzchen würde hoch klopfen, denn er iſt der ſtatt⸗ lichſte Mann in den braunſchweigiſchen Gauen. Wie er vor mir ſtand auf dem Walle von Leuenrode in ſeinem Eiſenkleide, ſchämte ich mich, daß der zu ſorgſame Vater den Sohn nicht früher in das Soldatenwamms geſteckt. Und was den albernen Strick betrifft, ſo trägt er frei⸗ lich eine Silberkette am Halſe, gerade wie ein Seil vom Meiſter Goldſchmied künſtlich gedrehet; und man erzählt eine Mähr: der alte Herzog Magnus habe ihm einſtens ſagen laſſen, wenn er ſeine Aufführung nicht ändere, und nach wie vor die Unterthanen turbire, würde er ihn henken laſſen und künftig den Strick dazu überall in der Taſche mitnehmen. Da habe der junge Magnus ſich denn dieſen Silberſtrick drehen laſſen und die kecke Ant⸗ wort zurückgeſandt: Der Vater möge die Mübe ſparen; wolle er ihn henken, ſo ſolle es geſchehen mit ſilbernem Hanf, denn er ſei ja ein Herzogsſohn. Der Strick läge ſchon am Hals; doch möchte der alte Herr an das Nürnberger Geſetz denken, die Keinen henkten, ſie hätten ihn denn zuvor.

Das war doch nicht geredet, wie Sohn zum Vater ſoll, entgegnete kopfſchüttelnd Febronia. Und von Got⸗ tesfurcht und Zucht muß nicht viel in ihm ſein; und es iſt wohl zu glauben, daß die alten Herzöge, der Vater und der Herr Wilhelm zu Lüneburg, aus Gram über ſeinen Muthwillen und ſäubere Regentſchaft in einem Jahr verſtorben ſind.

Man ſpricht ſo und ich glaub's faſt, antwortete⸗der Junker Volko. Zwiſchen den breiten zuſammengezogenen Augbraunen, im ſcheuwilden Blicke und der ſteten Un⸗ ruhe, die ihn zu peinigen ſcheint, lebt ſo etwas vom böſen Gewiſſen.

Blumenhagen. VII. 2