Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

herunter kam mit dem geheimen Brieflein? Glaube mir, ich habe dieſen weißen Botenſtab oft genug auf das Steinpflaſter geſtoßen in Ungeduld, und ſeine Stärke an den alten Mauerpfeilern ſchlagend erprobt; und was ſoll ich thun, wenn Du eiferſt und mir kein Vertrauen ſchenkſt? Ich habe von früh bis ſpät meine Arbeit und Mühen in ſchweren Rathsdienſten, und nicht Zeit, nach andern Weibſen zu gaffen, ſondern bin frohherzig, kömmt mir nur je zuweilen ein ſtiller Augenblick, wo ich auf der Steinbank am Stadthauſe ſitzen und an mein Febronichen denken darf. Aber Du biſt hier draußen frei wie Vogel und Wild; jeder Reiter und Fußgänger, der die Straße paſſirt, ſieht Dich ſchaffen im Hof oder ſitzen mit Angel und Netz am Waſſer; jeder darf gaſtlich einſprechen in Dein Häuslein, das kein Wall umgibt, kein Thor ver⸗ ſperrt, und ſich den friſchen Trunk von der friſchern Jung⸗ frau erbitten. Und ſeit der Vater nun gar ſo oft am Gliederreißen darniederliegt, wird mir weh und bang, wenn ich an Deine Einſamkeit denke; und könnte ich nur, ich nähme Dich lieber in nächſter Mitternacht mit mir, und wechſelte ohne Sang und Klang die Ringe mit Dir in der Kirche zum heiligen Kreuz, als daß ich dieſe Pein um Dich länger trüge in Bruſt und Kopf. Närriſcher Menſch, entgegnete die Dirne, die Hand traulich auf ſeine Schulter legend, liegt's doch nur an Dir, daß die Pein kein Ende hat. Soll ich's glauben, daß ſie ſo arg iſt, warum ziehſt Du denn nicht das ſteife Stadtwamms aus, nimmſt den leinenen Kittel, bleibſt hier draußen bei uns und treibſt mit dem Vater die ehrliche freie Hantirung? Ihm wär's recht, und mir noch mehr, denn gar lange kann's noch dauern, bis Du den verſprochenen Thorwartdienſt bekömmſt. Großer