Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
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das Geräth zu dem niedrigen Weidengebüſch, welches die Ufer des Fluſſes bekränzte. Auch hier ſtand ſie wieder ſinnend und ſchauend eine Weile, ſchloß dann den breiten Kahn los, der ſich auf den murmelnden Wogen wiegte, knüpfte ſeine Kette nur loſe an den Pfahl, warf Stange und Ruder hinein, und ging dann mit ſchleichendem Schritt und hängendem Kopf den ſchmalen Pfad zurück, den ſie gekommen war. Plötzlich jedoch ſtarrte ihr Auge feſter in die Dämmerung hinein, ihre Geſtalt erhob ſich, ihre Glieder regten ſich mit großer Lebendigkeit, und mehr ſpringend als gehend flog ſie in die Schatten der Nacht hinein. Bald kam ſie zurück, lebhaft und erregt, aber nicht mehr allein, denn mit ihr war ein junger Mann in Bauerntracht, der eilig an ihrer Seite ging, aber doch ſeinen Arm um ihren Leib gelegt hatte, und deſſen inniger und traulicher Geſprächston auf ein altes und feſtgeknüpftes Verſtändniß zu deuten ſchien.

Du wollteſt früher kommen, Florian, ſagte ſie, und vor der Reiſe den Abend mit mir verſchwatzen. Nun iſt die Nacht ſchon da, und ich bin faſt ärgerlich und bös auf Dich, denn wie lange wirſt Du nun bleiben können, da der Vater wieder am Zipperlein krank im Kämmer⸗ chen liegt, und nicht leiden wird, daß ich allein mit Dir am Herde ſitze? Haben Dich vielleicht die ſchönen Muh⸗ men wieder feſtgehalten beim Abſchiedsmahle? Es iſt ge⸗ wißlich nicht recht, daß Du Deinem Mädchen die Sorgen noch ſchwerer machſt, mit welchen der Herrgott ſie ohne⸗ dies genugſam belud.

Kind, antwortete der Mann mit recht ehrlichem Tone, ſei nicht unwirſch ohne Noth. Konnte denn ich dafür, daß der Herr von Hagen mich volle zwei Glockenſtunden warten ließ im Thurm des Leinethors, ehe er von dem Schloſſe