trieben aber jetzt erſt hellgrüne Blätterknoſpen; von Weiden geflochtene Fiſchreuſen, die an ihren Wurzeln lagen, und das große weiße, zwiſchen ihren Stämmen ausgeſpannte Fiſchernetz verriethen den Stand und die Beſchäftigung der Bewohner dieſes geringfügigen Eigenthums. Die Thür der Hütte öffnete ſich jetzt und ein Mädchen trat heraus, deren Tracht zwar die niedere Herkunft andeutete, die ſich aber doch auf den erſten Blick vor den gewöhn⸗ lichen weiblichen Bewohnern der kalenbergiſchen Gaue auszeichnete. Die Geſtalt war faſt männlichgroß und ſchlank, doch die nackten Arme, Hals und Bruſt kräftig und mit jugendlichweiblicher Fülle begabt; das Oval des Geſichts trug die Röthe der Geſundheit auf vollen Wan⸗ gen, angenehme Züge ohne blendende Schönheit, den Charakter kindlichen Freimuths im runden, hellblauen Auge, aber zugleich darin einen Strahl von Klugheit und Seelenſtärke, wie man ihn ſelten unter der arbei⸗ tenden Menſchenklaſſe deutlich im Antlitz leuchten ſieht. Der rothe Rock und das ſchwarze Mieder waren von gemeinem Wollzeuge, ſaßen aber dicht und nett, und ſchmiegten ſich verlockend um die gewölbten Hüften und den feſten Buſen, und ein ſchweres Haar, an Farbe der reifen Kaſtanie gleich, hing vom Nacken tief herab in
dicken Flechten, die ein lichtblaues Band durchzog. Mit angeſtrengten Augen blickte das Mädchen unter der Thür
durch die Dämmerung hin auf die Heerſtraße, die von der Stadt her nicht eben weit über dem niedern Platze der Hütte hinlief, und rückte den breitrandigen Filzhut hin und her auf dem glatten Haare in Ungeduld und ſichtlicher Beſorgniß. Dann ſchüttelte ſie den hübſchen Kopf, trat zu den Eſchen, nahm das glatte Ruder und die lange Stoßſtange vom Boden auf, und trug langſamn


