Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
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Kühle Frühlingsluft wehete lind über die hellgrü⸗ nenden Wieſen; der letzte Sonnenſtrahl warf von Weſten her ſeinen Scheideblick auf die ewig rauſchenden Wellen des Fluſſes und beſtreuete die wiederſcheinende dunkle Flut mit tauſend tanzenden Silberſternchen; dann barg ſich die Tageskönigin in den Schleier des rothglühenden Gewölks, und ſtiller ward es in den Geſträuchen und auf den Aeckern; nur eine einſame Nachtigal ſchlug noch im Birtenwäldchen neben dem friſchen, im Dornſtrauche ſorgſam verborgenen Neſte, und von der nahen Stadt her klang die Glocke des Abendgebets in langſamen ein⸗ zelnen Schlägen, und von ihrem Hauptthurme erſcholl feierlich das Abendlied der Stadtpfeifer, und die gezo⸗ genen Töne der Zinken und Poſaunen ſtimmten das Ge⸗ müth des Wanderers auf der Landſtraße und des zur Hütte kehrenden fleißigen Pflügers zur Andacht, und beide fielen leiſe ein in die Weiſe des bekannten Kirchenliedes und dankten dem Herrn der Welten für ſeinen freund⸗ lichen wohl vollendeten Tag. Wenige Schritte vom Ufer des ſchmalen Fluſſes, der in vielfachen Beugungen und mit ſchnellem Laufe ſich durch die Wieſen ſchlängelte, ſtand ein Häuschen, unſcheinbar und armſelig, von einem düſtern moosbewachſenen Strohdache bedeckt. Drei hoch⸗ bewachſene Eſchen beſchatteten die Hütte im Sommer,