—
499
möchte! ſprach er tiefſinnig und mit geſunkener Stimme fort, indem er mit zögerndem Schritte dem ihn mit Bück⸗ lingen traktirenden Wirth in die Gaſtſtube folgte, und dort erſchöpft einen Stuhl nahm.
Da trat der Gerichtsbeamte ihm mit reſpektvoller Geberde entgegen und überreichte ihm mit einem unter⸗ thänigen Glückswunſche ein großes und viel beſiegeltes Papier. Der Baron entfaltete die Schrift mißtrauiſch, und im ſtummen Erſtaunen durchlas er ſie zu zweien Malen, und eine feine Fieberröthe ſtieg vom leiſe ſich bewegenden Munde über die weißen, faltigen Wangen hinauf. Er trauete ſeinen Augen kaum, denn er hielt in der Hand— einen Kaufbrief der Herrſchaft Sparneck, und als Käufer war darin genannt: Junker Anton Hans Babo von Sparneck, einziger Sohn des Freiherrn Chri⸗ ſtoph Philipp von Sparneck, und der Freifrau Placida Euphemia Iſabella Maria, einzigen eheleiblichen Tochter des Vicomte de Calca E Pina.—
Die Glorie des Hauſes Sparneck iſt gerettet! Es triumphirt über ſeine Feinde! Es wird nicht untergehen! rief er laut aus und ſeine Blicke leuchteten. Aber—— durch wen gerettet? Vicomte, das war ein böſer Pi⸗ ſtolenſchuß! ſetzte er ſogleich hinzu, und wie in Be⸗ ſchömung ſenkten ſeine Augen ſich zum Boden, und die Hand mit dem gewichtigen Papiere ſank erlahmt auf ſein zitterndes Knie. In dieſem Augenblicke ſprang vom Vor⸗ platze her der rothwangige Junker Anton fröhlich und erhitzt in die Stube, und riß ein munteres Mädchen mit ſich herein.
Großpapa, rief er, da biſt Du ja! O das iſt ſchön, das iſt herrlich. Sieh, Antonia, das iſt der Großvater. Tritt nur hin zu ihm, und küſſe artig die Hand; er iſt nicht ſo ſchlimm, wie er ausſieht. Großpapa, ſchau ſie nur an, das iſt die Schweſter; meine Schweſter, und Alles iſt wieder unſer, die Pferde, die Hunde und das Schloß und die Jagden. Und Antonia wird mit mir reiten und jagen und hetzen. Wir haben's ſchon probirt heute früh, und ſie hat Muth wie ein Knabe und wird Dir wohl gefallen. Aber ſie will Dir auch vorleſen, und an Deinem Bett ſitzen, wenn Du einmal wieder krank liegſt; ſie hat mir's verſprochen.—


