Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
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Antön! was ſpricht der Bube für Tollſinn! fuhr der Alte vom Schreck üverraſcht wie im Zorn in die Höhe. Auch die Mutter iſt da, ſprach mit Scheu der Knabe weiter; und ſie iſt nicht ſo finſter und hart wie geſtern, und ſie hat viel geweint, recht viel, Großpapa. Gewiß, ſie iſt nicht ſchlecht, und hat den Anton immer lieb gehabt, wenn auch böſe Menſchen ſie von uns fortgeſtoßen hat⸗ ten weithin, gar weit weg von uns in fremde Länder. Der alte Baron ſah mit ſichtlichem Erbeben auf; da ſtand Placida in dem Eingange, eine traurige, erſchüt⸗ ternde Schmerzgeſtalt. Sowie ihr Auge dem Auge des Barons begegnet war, zuckten ihre Glieder, ſie ſtürzte auf die Kinder zu und faßte Beider Hände, als wollte ſie Beide fortreißen und ſchirmen; aber von Schwäche übermannt, ſank ſie an ihnen hin in die Knie und ſchluchzte laut. Und der alte Baron legte ſeine Hände von hinten her auf beider Kinder Häupter, als wolle er auf dieſe Weiſe einen Ring bilden zwiſchen ſich und der Beleidig⸗ ten, und man hörte ihn murmeln: Herr, vergib uns unſere Schuld! 4 3 Eine ſchwere Hand berührte ſeine Schulter und ſtörte ſein Gebet. Es war Don Ahgoſtinho's Hand. Recht 6 alſo, Baron! ſagte er mit tiefer Stimme. Der Herr der Heerſchaaren überhört das Wort nicht, das aus einem reuigen Herzen quillt. Das Mutterherz war mächtiger, als die Vernunft, und die Natur hat über Nacht den Sieg davon getragen. Und auch Ihr, denke ich, ſeid durch die Wunderthäterin Natur geheilt von einer langen und gar gefährlichen Krankheit des Gemüths. Sollte der Menſch nicht ertragen, was Gottes Langmuth erträgt? Soll der Menſch verfolgen, was der Himmel Soll er verdammen, wo die Gottheit ſchweigt viel Raum in der Welt, und der Wege ſind viele. La Jeden ſuchen den beſten, auf welchem er ſich zum Hims mel zu finden vermeint; ohne Gottes Hand findet ½ ihn Keiner. Aber uns laſſet eifern in Duldung und Liebe. Ich meine, wer es darin dem Andern zuvor thut, der hat den nächſten Weg zur Himmelsthüre gefunden.

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