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herdrehete.— Sage m nun, Großvater, was mas die Frau gewollt haben, und warum herzte ſie mich und ging dann ſo eilig? Glaube mir, als die erſte Furcht vorüber war, gefiel mir die Frau ganz gut, und es war mir, als hätte ich ſie ſchon ſonſt gekannt.—
Der Baron ſtand unruhig auf. Du biſt ein hübſcher Bube, und die Frau hat vielleicht einen Sohn, der Dir ähnelt, und Deinen Ramen trägt, und erinnerte ſich an ihn, ſagte er. Du ſollſt heute nicht mehr das Haus ver⸗ laſſen, und rufe mir den Tom; er muß zum Förſter hinab, und mir ſeine Piſtolen leihen, daß wir ſicher ſind vor Einbruch der Fremden, wenn die Nacht kommt.—
Der Knabe ſchüttelte ſeinen Lockenkopf; doch der rauhe Ton, in welchem der Baron befohlen, ließ ſeine weitern Bemerkungen verſtummen, und er trug ſeine Jagdbeute zu der Küche.
Zu derſelben Stunde la die erſchütterte, faſt ver⸗ nichtete Placida an ihres aters Bruſt. Nun? fragte mit forſchendem Blick der Vicomte.—
Ich habe ihn geſehen; ſtieß ſie ſchmerzlich hervor; o
er iſt groß und ſchön und herrlich, die Freude jeder
Mutter, nur nicht ſeiner eigenen. In ſeinem Gedächtniſſe flimmert keine Spur von dem Bilde der Verſtoßenen; ſeine Worte waren der grauſe Wiederhall des Haſſes, welcher einſt mein Glück zertrümmerte. Placida's Mund hat ſeine Roſenwangen geküßt unter heißen Gebeten für ſein Glück, Antonia hat den Bruder umarmt. Laß es unſere letzte irdiſche Freude geweſen ſein!—
Er ſoll uns folgen, er ſoll mit uns ziehen. Dein 3 Mutterrecht gibt ihn Dir zum Eigenthume. Oder ſoll ſeine friſche Blüte hier vertrocknen neben dem Mumien⸗ Manne, der allein ihm noch zur Seite ſteht? ſprach der Vicomte rauh.—
Stelle ihm Wächter, wache über ſeinem ſchönen, lie⸗ ben Haupte aus der Ferne, wie Du es gut hältſt; ant⸗ ₰+ wortete ſie mit Entſchloſſenheit. Doch ſeine Mutter muß für ihn todt bleiben, wie ſie es längſt geweſen. Würde
ſie es ertragen können, wenn ſein Herz zweifelte an ihr,
3¹ wenn ſein unmündig Wort nochmals ausſpräche, daß ſie ſ eine ſchlechte Mutter geweſen, die den Sohn verlaſſen
Blumenhagen. VI. 32
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