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verſuche! Komm, wir drei ſid eine ganze Welt, ein ganzer Himmel!— Sie hatte mich ſchon über die Straße gezogen, aber, wenn auch erſchreckt, machte ich mich dennoch los von ihr, hielt mich fern und ſagte: Ich heiße Anton und nicht Antonio, und gehöre zu Nieman⸗ den als dem Baron von Sparneck, dem jenes Schloß und dieſe Felder zuſtehen.— Da ſtand die Frau ganz ſtill und ſagte: Ja, er weiß von ſich zu löſen, was er haßt, und an ſich zu binden, was ihm gefällt! und ließ den Kopf gar traurig ſinken. Ich wollte fortgehen, aber ſie trat nochmals in meinen Weg und ſagte betrübt: Gedenkeſt Du Deiner Mutter, Antonio? und umfaßte mich wieder. Ich habe keine Mutter; antwortete ich. Die Leute ſagen, meine Mutter ſei ſchlecht geweſen und ſei davon gegangen, und habe meinen Vater allein ſter⸗ ben laſſen, uns Allen Schimpf und Schande gebracht, auch ſich nicht um den Anton bekümmert, der damals noch ganz klein geweſen. Was ſollte ich denn an die Mutter denken, die uns nicht lieb gehabt?—
Recht ſo, mein Kind! Klug geſprochen! murrte der Alte, beklommen zuhorchend.—
Die Frau mochte das nicht meinen, denn ſie ſtand ſchnell auf, und aus der ſchwarzen Kapuze ſahen mich zwei Augen an, o ſo bös, wie ſelbſt Du mich niemals angeſehen. So wartete ſie eine Weile ganz ſteif, und murmelte dann vor ſich hin: Sie mußten's vollenden,
Alles ausreißen bis auf Keim und Wurzel, daß nichts übrig bliebe für die Gehaßte. Der Himmel hat es ge⸗ litten, er will's haben. Dann griff ſie mit Haſt mich
nochmals, es brannte heiß ihr Mund auf meiner Stirne, ſie ſagte leiſe: Auf immer, Antonio! und fort ſchritt fie mit dem Kinde, das ſich noch mehre Male zu mir


