Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
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Du von prächtigem Wagen herab kutſchiren dürfen über Wieſe und Berg; zehn Bedienten werden Deiner Befehle warten, und Du wirſt von ſilbernen Tellern ſpeiſen und jeden Leckerbiſſen darauf finden, den Deine Zunge ge⸗ wünſcht. Antonio, willſt Du reiſen mit dem Manne?

Der Knabe ſann einen Augenblick. Wirſt Du mit

reiſen? fragte er darauf.

Was ſollte er mit mir? Mich mag er nicht. Ich werde hier bleiben, bis man mich hinunter in die Kirche trägt; entgegnete der Alte geſpannt und finſter.

Da müßteſt Du immer allein ſitzen, und es wäre Niemand da, der Dich lieb hätte und Dir vorläſe, ant⸗ wortete raſch der Kleine. Nein, laſſen wir den braunen Herrn reiſen, er gefiel mir ſo nicht recht. Was unſer iſt, werden uns die garſtigen Menſchen ſchon wieder geben müſſen, und werde ich groß und ein Soldat, ſo ſoll ſich das ſchon machen, wenn ſie es bis da nicht gethan.

Der Baron herzte das Kind gleich einer Amme; es war noch ein weicher Kern in der harten Schale ge⸗ blieben, und dieſe erſchütternde Stunde hatte die Schale zerſprengt. Vielleicht zum erſten Male fühlte er in dem langgedehnten Leben, was Liebe werth und daß ſie un⸗ entbehrlich. Der Junker, geſpornt durch die Freundlich⸗ keit des Barons, plauderte unbekümmert weiter.

Es iſt ſonderbar, was die Leute wollen; ſagte er,

an das Knie des Greiſes gelehnt. Sollten ſie doch

wiſſen, daß ich Dir gehöre, und daß ich nur thun und laſſen darf, was Du befiehlſt oder erlaubſt. Da ging ich unten am Kirchhof vorüber, als eine fremde Madame

durch die Mauer trat, die wunderlich ausſah, denn ſie

trug Kopf und Geſicht in ein langhängendes, ſchwarzes

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