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Euch zur Genüge dargethan, daß er ein Recht hatte, ſich Euch gegenüber zu ſtellen. Nun fragt dieſer Mann: Wie wollet Ihr gut machen, was Ihr gefrevelt an meiner Ehre? Wie will der deutſche Freiherr den Schimpf verſöh⸗ nen, den er meinem Namen angethan, wie ausgleichen die Unthat, daß er die Tochter des Vicomte de Calca E Pina als eine Landſtreicherin behandelte, als eine Bettlerin ausſtieß in Nacht und Wetter, ſie nackt durch eine Wüſte jagte, wo ſie vom Mitleid leben mußte, von der Barm⸗ herzigkeit frommer Glaubensſchweſtern, welche Euer nor⸗ diſches Gemüth für Lüge hält, daß ſie ihr Lebensglück zerſchnitt wie ein tückiſcher Bravo, ihr Mann und Kind ſtahl, gleich einem gefühlloſen Zigeuner, und ihre ſchöne Seele zerrüttete bis zum Wahnwitz?— Der Edelmann ſühnet nur mit dem Einſatze der höchſten Güter, alſo durch Blut und Leben!— Der Baron hatte ſich gleichfalls erhoben und ſtand 8 ganz ritterlich dem Gegner gegenüber. Ein bitteres Lächeln verzog ſeinen ſchmalen Mund. Wir im weißen Haare? Wir beide mit dem Fuße im Grabe? ſagte er. Die Ehre altert nicht. Gleich dem Phönix verjüngt ſie ſich am ſchnellſten in Flamme und Blut, entgegnete der Vicomte heftig. Könnet Ihr anders gut machen, könnet Ihr Todte erwecken, vertrocknete Herzen, zerrüt⸗ tetes Gehirn in die alte Ordnung bringen? Ihr ſeid zurückgeblieben in der Zeit, habt trotzig nicht mit fort⸗ ſchreiten wollen im großen Freudenzuge zum heller ge⸗ wordenen Oſten; Ihr büßet dafür gerecht, aber bis zum Mitleid, ſelbſt derer, die Euch haſſen müſſen. Doch— Klinge und Fauſt gehören ja zu den Kleinodien der Zeit, die Ihr vergöttert, und ich erwarte Euch drum Morgen um Mittag in der bequemen Schlucht, die hinter der
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