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unter den cadmeiſchen Keulenſchlägen der jüngeren Be⸗ geiſterung. Ein Blutsfreund gedachte auch meiner, als der Ketten viele zerbrochen wurden, mein Kerker ging auf, ich war frei. Aber welch eine Freiheit! Mein Erbe gab man mir zurück, aber wo waren die, um welche ich nach ihm gerungen? Schon in meinem Kerker hatte ich die Nachricht empfangen, Donna Maria ſchlafe tief und unerweckbar, meine Placida ſei ver⸗ ſchwunden ſeit lange. Ich durchfuhr nochmals das un⸗ getreue Meer, ich ſuchte mein Kind wie der ewige Wanderer das Grab, und kehrte vereiſet und vererzt an 5 Herz und Geiſt in die Heimath zurück, mich in mein graues Schloß zu begraben und an meiner Gruft täglich zu ſcharren, wie der Karthäuſer thut; denn was konnte mich noch kümmern, noch anregen auf der leeren Erde? . Noch einmal beſuchte ich die Kathedrale, wo ich getauft, wo Maria mit mir den heiligen Bund geſchloſſen, um Abſchied zu nehmen von jeder Erinnerung des verdorrten Lebens. Eine klöſterliche Geſtalt kniete am Altare der jungfräulichen Mutter; ſie erhebt ſich gebückt, ſie richtet das Haupt empor, ſie wirft ſich ſchreiend in meine Arme. — Es war Placida, es war meine Tochter.—
In großer Bewegung ſtand der Spanier auf und durchſchritt einige Male das Zimmer; als er ſein Ge⸗ ſicht wiederum dem alten Baron zuwandte, war jede ſanfte Gefühlsſpur darauf verwiſcht, es war wieder die kalte Marmorbüſte mit den geiſterhaft blitzenden Augen darüber wie zuerſt, als er mit der Nennung ſeines Namens gleich wie mit ſcharfem Stilett die Bruſt des Barons getroffen.
Wir ſind am Abſchluß, mein Herr Baron! ſprach er langſam. Der Mann, der ſich zu Euch drängte, hat
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