Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
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mich, und das Fort Matagordo am Trocadero⸗Kanal wurde mein enges Haus auf lange Jahre. Nicht wahr, Baron, es iſt heiße Folter, nicht ungeſchehen machen zu können, was man in unbeſonnener Stunde gefehlt? Ich meine, Ihr müßt die Folter auch erprobt haben. Da ſchauete ich hernieder auf das reiche, lebendige Cadix, hinaus über die Wimpel und Flaggen des Hafens, über das ſtürmende Meer, und war ein gebundener Stier, konnte die Hörner nur an den feſten Mauern wetzen, nicht in den Leib des ſchändlichen Matadors bohren, deſſen Liſt mich gefeſſelt, nicht mit ſtarken Gliedern die Wellen des Weltmeers durchſchneiden, und Weib und Kind warteten jenſeits auf mich. Das war eine ſchwere Büßung, Baron, und ich hatte nicht gefrevelt am Him⸗ mel, nicht an den Menſchen. Ich hatte kein Glück zer⸗ trümmert, keinen Seelenmord auf dem Gewiſſen.

Sei geduldig, alter Mann, ich bin bald zu Ende! War

doch auch Dein letzter Lebenspfad hart und ſteinigt, ſo wirſt Du eines Leidensgefährten Geſchichte nicht ohne Theilnahme hören, wenn Du anders zu fühlen vermagſt.

Der alte Sparneck warf verwunderte Blicke, worin ſich Zorn und Verlegenheit miſchten, auf den ſeltſamen Gaſt, deſſen Rede in ihrem Wechſel von Milde und Rauhheit ſeine eigentliche Abſicht nicht errathen ließ, und der zu ihm ſprach, wie noch Niemand zu ihm geſprochen. Doch der Eindruck einer unſichtbaren Gewalt, die von dem Fremden ausging, hielt ihn ſtill und erwartend feſt.

Auch meine Sonne ging wieder auf; bleibt doch in der längſten Nacht, auch in der Todesnacht die Hoffnung auf einen Tag, der folgen muß, fuhr der Vicomte fort. Das Wetter am Hofe zu Madrid änderte ſich abermals; die alte Hydra konnte nicht immer neue Köpfe erzeugen

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