Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

491

Schenke auf jener Höhe ſich öffnet. Es bedarf keiner Zeugen, zwei Greiſe müſſen ſich ſelber genug ſein bei dem letzten Ehrengange, und was ich Euch erzählte, wird Euch vergewiſſert haben, weß Geiſtes der Mann iſt, der Euer Gegner geworden.

Der Baron ſtand unentſchloſſen; der Gedanke des nahenden Todes war ihm neu; Menſchen ſeiner Art entſchlagen ſich ſeiner mit trotzigem Gleichmuth, beſtellen kein Haus, und beſtehlen ſich ſelbſt, nur klebend an der Erde, um die Ausſicht in lichtere Gefilde. Nur der wird mit Gemüthsruhe der letzten Stunde entgegen ſehen, welcher früh und furchtlos mit dem Tode Umgang ge⸗ ſucht, dem er wie Hausfreund geworden; ihm klopft der grämliche Gaſt nicht erſchreckend wie Feuerwächter oder Marodeur um Mitternacht an die Pforte. Die ritter⸗ liche Gewohnheit, der adelige Sinn gewann jedoch ſchon das Uebergewicht in ſeinem zerrütteten Gemüthe; er ſtreckte bereits die Schwerthand aus, um mit einer no⸗ beln Geſticulation die Antwort zu begleiten, da er ſich ſelber ſagen mußte, des Gegners Forderung ſei eine gerechte; da trat ein Störer zwiſchen die Alten, und dem Baron ſchien der Eindringling nicht unerwünſcht zu kommen. Junker Antonio war's. Der ſchlanke, zwölf⸗ jährige Knabe, friſch wie der jüngſte Morgen, gar nett anzuſchauen im ſchmucken Jagdkleide, trug ein todtes Häschen in der Hand, legte jedoch ſittig die Beute, ſo wie er den Fremden erblickte, an der Thürſchwelle nie⸗ der, begrüßte den Gaſt, und ſprang dann fröhlich zu dem Baron, die nicht für ihn ausgeſtreckte Hand ergrei⸗ fend und an den Mund drückend.

Warum biſt Du zu Hauſe geblieben, Großpapa? ſagte er mit heller, angenehmer Frühlingsſtimme dabei.