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welche vor mir lebten, von dem Enkel zu fordern hatten.—
Ihr zittert, Herr von Sparneck? Doch nur in Freude, dieſe Stunde wird ja einen vermeinten Flecken aus Eurem Stammbaume tilgen, wird Euren Enkel makel⸗ frei machen vor der ganzen deutſchen Ritterſchaft, und Euch überzeugen, daß die Ahnherren ſeiner Mutter in Aranjuez wie in Buon Rediro oder im Pardo heimiſch waren, daß der Gnadenblick der katholiſchen Majeſtät oft auf ihnen geruhet, wenn ſie ihn auch nicht mit unbe⸗ decktem Haupte empfangen durften. Setzt Euch, Baron, denn Ihr dürft mir die Geduld nicht verſagen, die ſolche Prüfung begehrt; gilt es doch Eure eigene, überhoch gehaltene Ehre.— Er hatte eine große, buntbemalte Pergamentrolle hervorgezogen und auf dem Tiſche vor den Baron ausgebreitet, der wie in einer totalen See⸗ lenverwirrung daſaß, als höre er, ohne zu begreifen, und ſähe, ohne zu erkennen. Leſet, Herr Baron, ſtudirt jeden Namen, jedes Wappenbild; Ihr liebt dergleichen und Ihr ſollet Euch darauf verſtehen wie ein Major Domus oder ein Ordensherold. Für jeden Makel zahle ich einen Beutel Dublonen, den letzten Sproß abgerech⸗ net, der ſich in das kalte, dürre Deutſchland verirrte und deſſen ehelige Wahl von dem Ordensſekretär vom Calatrava zu Madrid mit Achſelzucken viſitirt werden dürfte.— Der Vicomte ſtreckte ſich dabei bequem in dem Seſſel aus und plauderte mit vertraulichem Humor weiter, als ſäße er beim Nudelgericht im Commedor mit einem Vetter, indeß der Baron mechaniſch und gedanken⸗ los ſeine Augen auf dem bilderreichen Pergament umher⸗ ſchweifen ließ.
Das prangende Sevilla iſt mein eigentliches Heimath⸗


