Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
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Alte und Junker Anton, der Sohn der Fremden. Der Baron ſcheint dem Freund Hain vielleicht ein zu zäher

und trockener Biſſen, und das Jünkerchen muß ihm zu

friſch und widerſpänſtig ſein. Es iſt ein ſchmuckes Bürſch⸗ chen, und Excellenz können vtelleicht ſeine Bekanntſchaft machen, denn der junge Herr pflegt jeden Morgen mit dem einzigen Hunde, den man ihm gelaſſen, und dem Tom, dem einzigen Diener, der bei dem Herrn geblieben, durch Dorf und Acker bis hier hinauf zu ſtreifen, und blinde Jagd zu ſpielen, da ihm die ſchwarzen Herren ſeine kleine Büchſe verſiegelt und das Pulver im reichen Revier verboten haben.

Die kernigen Schimpfreden angekommener und unge⸗ duldiger Frachtführer riefen den Wirth ab zu Stall und Brunnen. Kaum war er hinaus, ſo ſtand die Dame auf, ging raſch zu dem Begleiter, und umfaßte ſeinen Nacken. Ein tiefer Schmerz brannte aus ihren dunkeln Augen, aber ſie weinten nicht.

Sehet Ihr nun, daß Alles ſo geſchehen, wie mir es in heiliger Zelle die nächtlichen Erſcheinungen angedeu⸗ tet? ſprach ſie träumeriſch vor ſich hinſtarrend. Ihn, den ſchwachen, gutmüthigen Dulder rief der Himmel

zu ſich und erlöſete ihn von der langen Marter. Aber

das Feuerſchwert des rächenden Engels fuhr in das Pa⸗ radies der Unmenſchlichen, und trieb ſie hinaus in die Wüſte. Wozu mag der Alte noch aufbehalten ſein, daß ihn der tödtende Himmelsſtrahl verſchonte bis jetzt? Lebt eine Seele in ihm, iſt er mehr als ein wan⸗ delndes Steinvild, ſo fiel eine Strafe auf ihn, härter als je einen menſchlichen Scheitel getroffen, entgegnete finſter der Mann. Wirſt Du mich zu ihm begleiten, Placida?