Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

472

Der Baron war in der Abſicht zum Sohne gekom⸗ men, den ganzen beleidigenden Argwohn, mit dem er die Spanierin verwundet, auch ihm zu offenbaren, um auf ſolche Weiſe einen vollendeten Schnitt durch das i Band zu thun, und ſelbſt dann, wenn die Vermißte ge⸗ funden werden ſollte, ſein Werk nicht ganz vergebens erdacht zu haben. Aber die Worte des Kapitäns berühr⸗ ten mit ihrer Schärfe das Gewiſſen, trotz ſeiner ehernen Verluppung, und der Baron ſchwieg für jetzt.

Der folgende Tag vergrößerte mit ſeinem Lichte den Schmerz;z es ſtrahlte ja nicht zurück aus den lieben Augen, deren Troſtblick dem Kapitän unentbehrlich geworden. Auf's Neue begann das Suchen und Forſchen. Kein Schacht im Gebirg, keine Schlucht, keine Stalactiten⸗ grotte blieb undurchſtöbert. Auch nicht die geringſte Spur von der ſchönen Frau oder dem Prieſter ward gefunden, nur fehlte ein Bergmann Morgens im Zechenhauſe, der ein Ausländer war. Der Baron lächelte heimlich, in der Art, wie er zu lächeln vermochte. Sein Zweck ſchien erreicht, und ohne Gewaltthat. Das Jammerbild des Sohnes, der jetzt nicht mehr an Placida's Tod glaubte, den aber die fiebernde Phantaſie ein anderes, faſt noch ſchrecklicheres Unglück, was ſie betroffen, vorſpiegelte, die todtbleiche Wange, das eingeſunkene Auge, das ſtille vor ſich Hinbrüten des Kapitäns rührte ihn nicht; ſolcher Gefühlsſpuk war ihm ephemeriſche Gaukelei, an deren Dauer er nicht glaubte, weil ſie im eigenen leeren Herzen nie geniſtet. Langſam, wie ein träger Folterknecht, ſchlich der Tag hinabz Briefe, die er an Bekannte der Umgegend ſchrieb, Eilboten, die er abfertigte, gaben von Zeit zu Zeit dem unglücklichen Gatten eine kurze Linderung. Da

trat Abends der vermißte Bergmann in das Schloß, und

8