Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
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Gegend, wo der Prieſter gewohnt; dorthin trieb er die willigen Bergknappen, die mit Kienfackeln die ſchmalen Steige hell machten. Die Klauſe war verſchloſſen, Nie⸗ mand antwortete von innen, und als man die leichte Thüre zerbrochen, fand man leere Räume, das Stroh⸗ bett unberührt, doch ließ die Unordnung der umherge⸗ worfenen Geräthſchaften auf eine in Eile vollführte Ent⸗ fernung ſchließen. Keiner der Hirten auf den nächſten Viehhöfen konnte Auskunft geben, und erſchlafft an Seele und Leib kehrte der Kapitän zum Schloſſe zurück, mit der einzigen Hoffnung ſich ſchmeichelnd, ſie möchte längſt aufgefunden oder zurückgekommen ſein, und ſeine Angſt durch einen freundlichen Willkommenskuß belohnen.

Die Täuſchung zerrann mit dem erſten Schritte, den er in das Schloß gethan. Wie er ſelbſt waren alle Nachtſtreifer ohne Fund heimgekommen. Entkräftet ſank er zuſammen, und eine entſetzliche Nacht ward durchwacht, nicht erleichtert durch Mutter und Schweſter, die das Mitleid zu dem Verzweifelten getrieben, aber geſchärft in ihren Foltern durch das harte Vaterwort, das die Meinung ausſprach, Placida's oftmaligen, ihm bekannt gewordenen Abendgänge möchten Vorbereitungen eines Planes geweſen ſein, den ſie heute glücklich ausgeführt.

Flucht von hier? Flucht von Mann und Kind? ſtöhnte der Kapitän, einen feindſeligen Blick auf das eiskalte Geſicht des Freiherrn ſchießend. Können verwachſene Herzen getrennt werden ohne fremden Schnitt? Kann das Mark ſcheiden aus dem Baume, ehe das Beil der Gewaltthat ihn in Trümmer ſchlug? Nein, nur der Tod hat die Herrliche von uns geriſſen, und ihr Schickſal laſte auf den Herzen derer, die dieſe offene, freie Seele zu ſolch' gefährlicher Heimlichkeit getrieben!