Teil eines Werkes 
6 (1843)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

470

grauenvollen Geſtalten am blauen Himmel vorüber trei⸗ ben. Plötzlich raffte ſie ſich auf und flog leichtfüßig den Weg zurück, welchen ſie gekommen. Sie erreichte das Thor, es fiel hinter ihr in das Schloß, und im Nacht⸗ ſturme, der an den dürren Baumäſten brach, verhallte der Zornruf des überraſchten, im eigenen Reiche einge⸗ ſperrten Freiherrn, der durch das Eiſengatter das ſchöne Wild, welches er ſicher eingefangen glaubte, hinter den Schleiern des Schneenebels verſchwinden ſehen mußte.

Auch der ſtarrſte Charakter hat ſeine ſchwachen Mo⸗ mente. Der Baron von Sparneck fühlte ſich ſeit lange zum erſten Male in einer Verlegenheit, die er nicht ab⸗ zuwehren vermochte. Seine Herrſchſucht war durch ein elendes Weib zu Spott gebracht; das gelungene Werk hätte er frei vertreten, des mißlungenen ſchämte er ſich vor ſeiner Familie wie vor ſeinem eigenen Solze. So ließ er die Flüchtlingin unverfolgt und das Schickſal walten.

Der Kapitän vermißte bei ſeiner Zurückkunft in der Nacht die Gattin, der kleine Antonio ſchrie eigenſinnig nach der Mutter, auf deren Schooße er zu entſchlafen pflegte. Aufgeriſſen aus ſeiner Schwäche, brachte der erſchreckte Mann das ganze Schloß in Aufruhr, Alles mußte auf die Straßen, um Placida zu ſuchen, die er am Gebirg verunglückt wähnte. Zu ſpät ſchalt er ſeine Nachgiebigkeit gegen die Schwärmerin, ſeine träge Un⸗ achtſamkeit, ihre Begleitung auf ſolchen Wegen verſäumt zu haben. Selber warf er ſich auf's Pferd und durch⸗ ſtreifte die Bergbauregion, und pochte die Hüttenleute heraus. Er kannte aus Placida's Beſchreibung die