Teil eines Werkes 
5 (1843)
Einzelbild herunterladen

.

3 489

dem glatten Mooſe, ermüdete ſehr. Zetzt ſchlug ein Strichregen nieder, und gerade ihnen entgegen. Ich kann nicht weiter! Der Gram hat meine Kräfte

. verzehrt, und die Angſt nimmt mir die letzten! klagte das

Mädchen mit einbrechenden Knien, und ſtützte ſich an des Oheims Schulter.

Muth! rief Werner. Hier ſind wir ſchon am Walde; nur noch dieſe Höhe hinauf halte die Kraft zuſammen! Dort iſt ein Platz, heimlich und bedachet, der uns ſchü⸗ tzen wird, und wohin kein Menſchenkind ſich wagen mag; dort finden wir Waffen, dort ruhen wir, bis es lichter wird, und dann ſind wir in einem Halbſtünd⸗ chen durch's Dickicht hinüber im Nachbarlande, wo ein mächtiger Herr ſchützt, und wo man keine Hexen mehr verbrennt!

1 Die beiden Männer unterſtützten die Erſchöpfte, und 3 da, wo es freier ward, trugen ſie ſie auf den verſchlun⸗ genen Armen. So ſtiegen ſie zur Seite eines plätſchern⸗ den Kieſelbaches ins Gebirge hinauf bis zu einer gelich⸗ tetern Waldhöhe, wo Werner Halt gebot.

Der Platz war flach und abgerundet; Unterbuſch wuchs hier nirgends, nur alte, uralte Eichen deckten den gra⸗ ſigen Raum, und unter ihnen lagen zwölf große Steine im Kreiſe von uralter Zeit her, der Sage nach be⸗ ſtimmt zu Gerichtsſitzen der geheimen Vehmſchöffen des Saſſenlandes. Mitten ſtand die Altmutter des Waldes,

. eine ungeheure Titaneneiche, oben grünend in dem üp⸗ pigſten Laubdome, unten am Stamme ausgehöhlt, wie

eine Kapelle, in welcher wohl ſechs Menſchen Platz und Schutz fanden. Da hinein führte Werner ſeine Flücht⸗

linge, weil der Regen jetzt in Strömen niedergoß, und alle Drei ſetzten ſich nieder drinnen, enge, aber ſicher