Teil eines Werkes 
5 (1843)
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ſprang ein Mann zu ihr ein, und ihr Lüet umfaßte ſie in der Dämmerung ihres Kerkers.

Lüet! Lüet! rief ſie. Du biſt es? Du getreue Serle? Kommſt Du vom Himmel herab, um mein Gefängniß zu theilen?

Still! Still! flüſterte der getreue Bube. Dich zu erretten ſind wir da. Der Ohm ſteht unten am Ge⸗ mäuer, an der Stelle, wo es von der Höhe in den Moor⸗ grund geht, der die Waldſchlucht einſchließt. Er hat Alles ausgedacht, und ich hab's glücklich im Schloſſe vollendet. Er kannte das alte Eiſenrad im Thurmdache, woran die Mönche vordem, wenn Kriegszeit war, ihren Proviant Nachts herein gewunden. Ich ſchleppte die Seile heimlich über die öden Schloßböden hinauf, an die ſich die Thurmſpitze lehnet; der Bretterſchemel iſt ſicher und wohl befeſtigt, und unten hält der ſtarke Ohm das Seil. Hinaus darum, mein Mädchen, ſchnell und vorſichtig.

Aber die ſchreckliche Tiefe! lispelte ſie zitternd.

Halte Dich nur feſt am Seile, antwortete der Jüng⸗

ling drängend. Bequem ſitzeſt Du auf dem Brett, das

Seil zwiſchen den Knien ſichert Dich. Ich hier oben hindre das Schwanken, und der ſtarke Ohm läßt Dich ſanft herunter, denn das Seil hat über doppelte Thurm⸗ länge. Ich komme eben ſo nach, und dann geht's flink über die Grenze.

Aber wo vleibt die Mutter? jammerte Hannchen da. Ohne ſie kann ich, darf ich nicht gehen.

Die Mutter iſt krank, todtkrank, ſtammelte Lüet ver⸗

legen. Ihr wird nichts geſchehen. Aber Dir! Willſt Du

morgen den frechen Spott und Hohn der Bauern dulden?

Sollen Dich die groben Hände der Burſchen antaſten?