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wie die herabſchießenden Lichtſtrahlen den nächtlichen Thau einſaugen und die Nebel anziehen, ſo ziehen ſie auch die Menſchenſeele auf zum Himmel und auf zu dem allmäch⸗ tigen Könige der Himmel und Erden, und verbannen die finſtern, ſelbſtmörderiſchen Gedanken, die Kinder der Geiſterſtunde.
Auch in der Jungfrau Bruſt ſenkte ſich der Troſt und das Vertrauen, wie die Sonne ihr hell und wärmend entgegen ſtrahlte, und ihr aufgeſchloſſenes Herz konnte jetzt beten um Rettung für die Mutter und ſich, konnte um Reue beten und Vergebung für den verurtheilten Hans Bull, für den ſchwarzen Geiſt im Maientage ihres Lebens. Als ſie geendet, und nun aufſah, erblickte ſie etwas, einem flatternden weißen Vogel ähnlich, außen vor der Thurmlucke. Nein, es war kein Vogel, es war ein Papierblatt, welches an einem Faden vom Thurm⸗ dache herabhing.
Das iſt Lüet! rief ſie freudig erſchrocken, und ſchob den Schemel an das tiefe Mauerloch, und ſetzte ſich in die Niſche, weit ſich hinaus biegend mit vorgeſtrecktem Arme. Ihr Blick ſchwindelte einen Augenblick hinab in die Tiefe draußen; doch haſchte die Hand glücklich das Papierblättchen, und zerriß den dünnen Faden. Auf dem mit Stroh bedeckten Lager ſitzend, las ſie dann die deut⸗ lichen Schriftzeichen:
—„Sei wach um Mitternacht! Zwei Freunde kommen und helfen!“— war die kurze, geſchriebene Nachricht.— Wer konnte das ſein, als Lüet und Werner? Die Treue des Einen, die Kraft und Beſonnenheit des Andern, weckten ihr frohes Zutrauen; aber das Wie? war ein Räthſel, welches ſie nun den ganzen, langen Tag beſchäftigte.
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