der wahre Heldenſinn kennt den Gedanken des Todes nicht; er glaubt ſich unverwundbar und unſterblich; die Gefahr iſt nicht da für ihn, denn ſein Auge ſieht nur die Pflicht, die Großthat und des Sieges herrlichen Kranz.—
Mitleid und Menſchlichkeit hatten den Bund dieſer jungen Herzen eingeſegnet; beide öffnen immer ſo leicht das Herz für ihrer Schweſter, der Liebe, Einzug. Als der fremde Heerhaufen einrückte in die Herzogsſtadt, ſah die fürſtliche Familie vom Schloßbalkon den ſtahlgerüſte⸗ ten Gäſten, wenn auch ohne gaſtlich Gefühl und ſorg⸗ bewegt, entgegen. Vor ſeinen Reitergeſchwadern ritt Graf Alexiew in blankem Panzer und Silberhelm, und Aller Augen wandten ſich der hohen, ausgezeichneten Geſtaltung zu. Schien er doch ein Römerheld alter Zeit vor einem Hunnenherre des Attila. Zwiefache Theilnahme feſſelte die Blicke der Italiener an den Jüngling.
Unter den hohen Platanen des Schloßplatzes hielt er das Roß an, und ſchwang ſich leicht vom Sattel. Die herzogliche Familie kam herab, den gefürchteten General zu begrüßen. In dieſem Augenblick wurde das Pferd eines jungen Reiters ſcheu vom Flattern der Seidenfahne der aufgeſtellten Schweizerwache und vom dröhnenden Niederſetzen der Hellebarden; krank ſchon durch die Hitze des Zuges geweſen, brach es in Tollheit aus, drehte ſich im Kreiſe herum, Zaum und Sporn des Ungeübten nicht achtend, bis es den Betäubten herab, und mit der behelmten Stirn gegen den harten Stamm einer alten Linde warf, welche dem Portale des Palaſtes zunächſt ſtand. Blut ſtürzte unter dem Stahle hervor, und wie todt lag der Krieger. Der General eilte hinzu, und er ſah eine weibliche Geſtalt am Haupte des Todten, auf


