Die Herzogin Madalena erſchien, von einer Ehren⸗ dame begleitet, in der Kirchthüre, und nach einer ehrer⸗ bietigen Begrüßung zog ſich Graf Lieben zu ſeinen Offi⸗ zieren zurück. Die Fürſtin ging unſichern Schrittes auf ihren düſtern Gemahl zu, deſſen Antlitz ſich bei dem Anblicke der bleichen, hochgewachſenen, doch gramgebeug⸗ ten Frauengeſtalt noch mehr verfinſterte.
Mein gebietender Herr, ſagte ſie mit der Stimme der Demuth und Bitte, ich betete im Auguſtinerkloſter; in⸗ deſſen ſchloß man eigenmächtig mein Zimmer auf und nahm jedes Silbergeräth und all meinen Schmuck heraus. Geſchah ſolches auf Euren Befehl?—
Allerdings, und habt Ihr etwas dawider? antwortete die härteſte Männerſtimme.—
Nichts, mein Gebietender! fuhr die gedrückte Fürſtin fort. Nur eine Bitte drängt ſich mir aus der Bruſt dabei, ſeit Jahren die erſte an Euch. Auch mein Becher iſt fortgenommen, aus dem ich trank ſeit zwanzig Jahren. Laßt mir den Becher zurückgeben, ich miſſe ihn ungern.—
Poſſen! lachte der Herzog. Er wird verpackt ſein tief im Gewölbe mit den andern. Laßt Euch ein ander Geſchirr reichen. Die Thränenkrüge der Alten waren irden. Es ſteht kein Pſalter an dem Silbergeſchirr, und für eine büßende Beterin, wie Ihr Euch ſelbſt ft nann⸗ tet, ziemt ſo kein ſolch Glanzgeräth.—
Gebt mir den Becher zurück! bat ſie mit dem tief⸗ ſchneidenden Tone ſchmerzlichſter Innigkeit, und ihre Augen erblindeten faſt im Thränenüberfluß. Ein Gelübde ver⸗ vietet mir, aus irgend einem andern Gefäß zu trinken mein Lebelang. Soll ich ſchöpfen wie die Bettlerin mit hohler Hand, und trinken, wie ſie, aus dem eigenen Suii Gebt mir meinen Becher zurück! Er iſt ein


