Rund herum auf den nackten Gipfeln des Gebirges ſah man Nachts die Wachtfeuer der feindlichen Züge, doch nur wenige der leichten Reiter und Scharfſchützen hatten ſich bis jetzt herabgewagt, die in der Fläche ſtrei⸗ fenden Koſaken und die im Hohlufer des Fluſſes lauern⸗ den, ſichern Jäger fürchtend.— Doch ſeit heute war es lebendiger geworden auf den Bergen. Geordnete Trup⸗ penreihen wurden ſichtbar; ſchweres Geſchütz ſandte ſeine Todesboten in das Thal herab; und gedeckt dadurch wagten ſich ſtärkere Reiterhaufen bis nahe an die Stadt und des Stromes Rand. Der ruſſiſche General beſtieg den Schloßthurm, von dort die Bewegungen des Fein⸗ des zu beachten, und ſeine Adjutanten erwarteten in der Kapelle die Befehle an die kampfglühenden Krieger, welche auf den Plätzen der Stadt, gerüſtet und des Aufbruchs gewärtig, ſich gelagert hatten.—
Mit den raſchen, ſtampfenden Schritten des Zornes trat jetzt der Herzog in die Kirche, nach ihm ſein Günſt⸗ ling, der Ritter Vaſaldo. Die hohe, dürre Geſtalt des Fürſten, ſein ſcharfgezeichnetes, italiſches Geſicht, die dunkeln, wenn auch grau gemiſchten, krauſen Locken, und vor Allen das brennende, tiefliegende Auge deutete auf höchſte Leidenſchaſtlichkeit und auf ein Leben, in ihrer Sadglut durchkämpft. Der Günſtling war eine kleine, kugelrunde Geſtalt, auf deren charakterloſem Angeſichte ein ewiges Lächeln wohnte; nur aus dem kleingekniffe⸗ nen, farbeloſen Auge ſchaute die Hölle hervor und die Falſchheit, welche den kalten Blutegel des Herzogthums beſeelte.
Wer öffnete die Schloßkapelle? fragte der Herzog heftig im Eintreten. Unſinn war es, vor dieſen Augen die Kleinodien in die Gruft zu tragen. Dem freundlichen


